Boot 2012
Lifeticker aus den Hallen 3 und 4
Hoffen und Zuversicht in Dahab
Wir sprachen mit Ingrid und Ute von INMO Divers Dahab
Ingrid, welche Stimmungsbilder hast Du aus Dahab mitgebracht?
Die Anfänge der Revolution waren für uns ganz schön aufregend. Unser Personal war verängstigt und sehr um die Familien besorgt. Aber nachdem die Gewalttätigkeiten vorbei waren, kehrte Euphorie ein, und dann war da nur noch Glücksgefühl. Die Freiheit, plötzlich Demokratie, für die Ägypter war das fast zu viel.
Dann blieben die Touristen aus. Zum Glück waren wir nicht so hart betroffen, weil wir bereits seit 25 Jahren dort leben und deshalb viele Stammgäste haben. Natürlich war um uns herum in Dahab viel Leere. Aber wir konnten unser ganzes Personal halten. Und dafür waren uns alle sehr dankbar. Deshalb sehen wir sehr optimistisch in die Zukunft. Ich sowieso, weil ich sicher bin, dass Ägypten in zwei oder drei Jahren mehr Touristen haben wird als je zuvor. Egal, wie die nächste Regierung aussieht. Warum sollen die Leute auch nicht eine islamische Regierung haben dürfen?
Die Wahlen sind ja nicht so ausgegangen, wie viele sich das vorgestellt hatten. Was habt ihr von den Wahlen mitbekommen?
Bezeichnend war die Aufregung, dass jeder wählen gehen konnte oder sogar musste.
Ich kenne einen cleveren, jungen Beduinen, der sich als Wahlhelfer gemeldet hatte und der anschließend in die Kreisstadt wollte, um mit die Stimmzettel auszuzählen. Da hieß es: „Beduinen dürfen nicht auszählen“. Als das Wahlergebnis bekannt war, stand fest, dass kein Beduine ein Direktmandat errungen hatte. Das stieß bei den Beduinen auf große Verwunderung, dass gerade in einem Wahlkreis mit sehr viel Beduinenbevölkerung kein Direktmandat abfiel. Diese haben dann vor der Kreisverwaltung demonstriert, und es wurde auch geschossen. Sie fanden auch kistenweise verbrannte Wahlbriefe. Daraufhin wurden in drei Wahlkreisen die Wahlen wiederholt, unter anderem im Südsinai.
Wie man sieht, ist die Bevölkerung sehr aktiv und tut, was möglich ist. Sie saugen die Informationen förmlich auf, um am neuen Ägypten arbeiten zu können.
Hallo Ute, wie sieht gerade Dein Alltag in Dahab aus?
Gerade komme ich aus Dahab zurück und habe im Laufe des Jahres festgestellt, dass das politische Interesse ein ganz anderes geworden, ist. Plötzlich erklären mir die Ägypter, was Politik ist und wie gelebte Demokratie sein sollte, und dass sie jeden Abend eine Stunde in Facebook sind, um sich über die aktuelle Lage austauschen. Die Stimmung insgesamt, dass sich etwas ändern kann, das ist das Großartige. Was mich fasziniert ist der Optimismus. Hier wird ein neues Geschäft eröffnet, da wird renoviert. Jetzt den Mut zu haben und zu sagen: Ich mach was. Ich glaube, den hätten wir in der Situation nicht.
Wie empfinden Eure Gäste das neue Ägypten?
Unseren neuen Gästen machen die Polizeikontrollen zwischen Dahab und Sharm El Sheikh Kummer. Die Stammgäste sind daran gewöhnt und sagen, alles wie bisher. Unsere Stammgäste fühlen sich vom Geschehen unberührt, weil keine negativen Vorfälle in Dahab zu verzeichnen sind.
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